2019 hat mein Betrieb gebrannt.

Ich erinnere mich noch genau an den Anruf und daran, wie schnell danach alles ging. Die Feuerwehr war zügig da, der Schaden ließ sich eingrenzen. Die Bilder in diesem Artikel sind keine Symbolfotos. Sie zeigen meinen eigenen Betrieb in den Tagen nach dem Brand.

Eine Erkenntnis ist mir aus dieser Zeit geblieben, und sie ist rein fachlich. Mein eigenes Werkzeug und das Inventar, über Jahre Stück für Stück zusammengekommen, waren nicht sauber erfasst und in der Folge auch nicht ausreichend versichert. Im Schadensfall zählt am Ende, was du belegen kannst, nicht, was einmal in der Halle gestanden hat.

Werkstatt nach dem Brand 2019: rußgeschwärzte Decke über der Hebebühne, Löschschaum am Boden

An das Feuer selbst kann ich mich erstaunlich sachlich erinnern. Was danach kam, hat mir vor allem eines gezeigt. Ein Betrieb steht und fällt nicht mit dem Schaden selbst, sondern mit der Frage, wie gut er auf so einen Fall vorbereitet war.

Blick in die ganze Werkstatthalle nach dem Brand, Löschschaum auf dem Boden

Die Frage, die mir aus diesem Jahr geblieben ist, ist nicht: Wie kriege ich mehr Versicherung? Die Frage ist: Was muss abgesichert sein, damit ich nach dem schlimmsten Fall noch handlungsfähig bin?

Das ist ein Unterschied, der leicht übersehen wird. Ein Kleinbetrieb braucht keine möglichst dicke Police mit möglichst vielen Häkchen. Er braucht die richtigen vier Bausteine, nicht mehr und nicht weniger. Und er braucht Klarheit darüber, wo die eigene Verantwortung endet und wo sie sowieso bei jemand anderem liegt.

Baustein 1: Die Betriebshaftpflicht

Die Betriebshaftpflicht greift, wenn dein Betrieb jemand anderem schadet. Ein Kunde stolpert im Wartebereich und verletzt sich. Beim Rangieren wird ein fremdes Fahrzeug beschädigt. Ein Werkzeug fällt vom Regal und trifft eine Person. Personenschäden, Sachschäden, manchmal auch Vermögensschäden, die daraus entstehen.

Für einen Kfz-Betrieb lohnt sich hier ein genauer Blick auf einen Punkt, der gern übersehen wird. Schäden an Fahrzeugen, die gerade bei dir in der Werkstatt stehen, also in deiner Obhut sind, sind bei einer normalen Betriebshaftpflicht nicht automatisch mitversichert. Das muss in der Regel gesondert eingeschlossen werden. Genau das ist aber der Fall, der in einer Kfz-Werkstatt am häufigsten vorkommt.

Und noch ein Punkt gehört dazu, wenn regelmäßig teure Autos bei dir stehen. Die vereinbarte Deckung für Obhutsschäden muss den tatsächlichen Wert dieser Fahrzeuge auch abbilden. Steht öfter ein hochpreisiges Auto auf deiner Bühne und die Obhut-Deckung ist zu niedrig angesetzt, bleibt im Schadensfall eine erhebliche Lücke, für die du selbst geradestehen musst. Diesen Punkt würde ich nie ohne Rücksprache mit einem Versicherungsfachmann abhaken.

Baustein 2: Die Inhaltsversicherung

Die Inhaltsversicherung, oft auch Geschäftsinhaltsversicherung genannt, sichert das ab, was in deiner Werkstatt steht. Werkzeug, Maschinen, Diagnosegeräte, Lagerbestand, Einrichtung. Typischerweise gegen Feuer und Brand, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, oft auch Sturm und Hagel.

Genau das war der Baustein, der 2019 bei mir zwar existierte, aber viel zu knapp bemessen war. Werkzeug sammelt sich über Jahre an, unauffällig, Stück für Stück, bis der eingetragene Versicherungswert mit dem, was tatsächlich in der Halle steht, kaum noch etwas zu tun hat. Das ist kein Haken, den man einmal setzt und dann vergisst. Das ist eine Zahl, die man in regelmäßigen Abständen mit der Realität abgleichen muss.

Genau hier hilft eine Gewohnheit, die viele Betriebe unterschätzen. Eine laufende Inventur und eine fortlaufende, saubere Erfassung deines Betriebseigentums, also Werkzeug, Maschinen, Diagnosegeräte, Lager. Nicht nur damit die Versicherungssumme stimmt, sondern für den Extremfall. Wenn nach einem Brand oder Einbruch nichts mehr da ist, musst du belegen können, was tatsächlich vorhanden war und was es wert war. Eine aktuelle Liste, ergänzt durch Fotos vom Bestand und aufbewahrte Kaufbelege, ist im Schadensfall Gold wert. Ohne diesen Nachweis diskutierst du im schlimmsten Moment über Dinge, die du längst dokumentiert haben könntest.

Baustein 3: Die Betriebsunterbrechung

Der dritte Baustein war 2019 meine eigentliche Lücke, und er ist von den vieren der am wenigsten selbsterklärende.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung, manchmal auch Ertragsausfallversicherung genannt, sichert nicht dein Werkzeug ab. Sie sichert die Zeit danach ab. Wenn der Betrieb wegen eines versicherten Schadens stillsteht, laufen die Fixkosten trotzdem weiter, Miete, Löhne, Kreditraten. Häufig ist dieser Schutz als Baustein zur Inhaltsversicherung dazu buchbar, keine völlig eigenständige Police, aber mit einem eigenen Schutzgedanken, der klar von der reinen Sachversicherung zu trennen ist.

Wie wichtig genau dieser Baustein ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Nicht der reine Sachschaden entscheidet darüber, wie gut ein Betrieb durch so eine Phase kommt, sondern die Zeit, in der er stillsteht und die laufenden Kosten trotzdem weitergehen. Ein Betrieb kann seinen Schaden beheben und trotzdem an dieser Stillstandszeit ins Straucheln geraten, wenn dieser Baustein fehlt. Genau dafür ist er da.

Baustein 4: Deine Fixkosten kennen

Eine Police, die im Ordner liegt, macht dich nach einem Totalausfall noch nicht handlungsfähig. Handlungsfähig wirst du erst, wenn du weißt, wie hoch deine laufenden Fixkosten tatsächlich sind und wie lange dein Betrieb ohne Umsatz durchhält, bevor es eng wird. Das ist der vierte Baustein, und der einzige, den dir keine Versicherung abnimmt.

Genau mit diesen beiden Zahlen habe ich mich nach 2019 zum ersten Mal wirklich beschäftigt. Im Klartext Werkstatt Toolkit stecken zwei Werkzeuge, die genau dabei helfen. Die Banktermin-Mappe PROFI, mit der du deine Zahlen so aufbereitest, dass du sie im Ernstfall sofort parat hast. Und der Liquiditätsplaner, mit dem du über zwölf Monate siehst, wie lange dein Puffer tatsächlich trägt.

Was in den Wochen nach dem Brand bei mir konkret passiert ist, habe ich in Kapitel 10 von „Klartext Werkstatt” aufgeschrieben, „Wenn’s brennt”. Wer die ganze Geschichte lesen will, findet sie dort. Hier ging es mir nur um die Zahlen, die ich vorher hätte kennen müssen.

Die eine Versicherung, die du meistens nicht selbst brauchst: die Gebäudeversicherung

Die Gebäudeversicherung sichert das Gebäude selbst ab, Wände, Dach, fest verbaute Installation. Wenn du deine Werkstatt mietest, ist das in aller Regel Sache des Vermieters, nicht deine. Er ist Eigentümer, ihm gehört das Risiko am Gebäude, er schließt die passende Police ab.

Was viele Betriebsinhaber trotzdem verunsichert: Die Grenze zwischen Gebäude und Inhalt ist nicht immer klar. Fest verbaute Hebebühnen, Lackierkabinen oder Absauganlagen können je nach Mietvertrag und Einbausituation unterschiedlich zugeordnet werden. Wer mietet, sollte diesen Punkt einmal konkret mit Vermieter und Versicherung klären, statt einfach anzunehmen, dass automatisch alles über die Gebäudeversicherung des Eigentümers läuft. Als eigene Versicherung für den eigenen Betrieb steht die Gebäudeversicherung bei einem Mietobjekt aber in aller Regel nicht auf deiner Liste.

Was hättest du vorher prüfen müssen?

Das ist die Frage, die am Ende übrig bleibt, wenn man selbst einmal durch so einen Fall durchmusste. Nicht: Bin ich ausreichend versichert. Sondern konkret: Deckt meine Haftpflicht auch Schäden an Fahrzeugen, die bei mir in Obhut sind? Steht der Versicherungswert meiner Werkstattausstattung noch für das, was tatsächlich drinsteht? Weiß ich, wie lange meine Fixkosten laufen, wenn kein Umsatz mehr reinkommt? Und liegt die Verantwortung für das Gebäude, in dem ich arbeite, überhaupt bei mir?

Wer diese vier Fragen heute beantworten kann, ohne lange nachzudenken, ist besser vorbereitet, als es die meisten Betriebe sind. Ich war es 2019 nicht.


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