Junger Kfz-Azubi prüft mit einem Diagnosegerät ein Fahrzeug auf der Hebebühne in einer hellen Werkstatt

Neulich am Telefon mit einem befreundeten Werkstattinhaber. Wir wollten eigentlich nur kurz einen Termin klären, sind dann aber bei einem ganz anderen Thema hängengeblieben, seinem Azubi, der kurz vor der Kündigung stand.

Kein Streit, keine schlechte Leistung. Der junge Mann hatte einfach das Gefühl, er verliere Zeit. Drei Jahre Ausbildung, mäßiges Gehalt, während er auf seinem Handy sieht, wie Gleichaltrige scheinbar mit deutlich weniger Aufwand deutlich mehr verdienen. Ein Social-Media-Account hier, ein schneller Erfolg dort, ein Screenshot dazwischen. Mein Bekannter hat ihn am Ende halten können, mit einem langen, ehrlichen Gespräch. Aber er hat mir gesagt, das war knapp, und es ist nicht das erste Mal.

Ich kenne dieses Gefühl aus meiner eigenen Werkstatt, und ich glaube, jeder Ausbildungsbetrieb im Kfz-Handwerk kennt es mittlerweile. Deshalb wollte ich einmal aufschreiben, was ich darüber denke.

Der Vergleich, der nie fair ist

Junge Menschen in der Ausbildung vergleichen sich nicht mehr nur mit dem Nachbarn oder dem Cousin. Sie vergleichen sich mit einem endlosen Strom von Leuten, die online zeigen, wie gut es ihnen angeblich geht. Das Problem an diesem Vergleich ist nicht, dass er unangenehm ist. Das Problem ist, dass er strukturell unfair ist. Was online sichtbar wird, ist fast nie der Durchschnitt, sondern die Ausnahme, und oft nicht einmal die echte Ausnahme, sondern die inszenierte.

Wer das mit seinem eigenen Alltag vergleicht, drei Jahre Lehrgang, Berufsschule, Praxis, mäßiges Gehalt am Anfang, kommt fast zwangsläufig zu dem Schluss, das lohnt sich nicht. Zu lang, zu wenig dabei.

Die Zahlen zeigen, dass dieses Gefühl längst kein Randphänomen ist. Laut Berufsbildungsbericht 2023 lag die Vertragslösungsquote in der dualen Ausbildung bundesweit über alle Branchen bei 26,7 Prozent. Mehr als jede vierte Ausbildung wird also vorzeitig aufgelöst. Im Handwerk liegt die Quote sogar noch höher, 2022 bei 36,7 Prozent, also mehr als jede dritte. Zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass etwa die Hälfte dieser Lösungen kein endgültiger Abbruch ist, sondern ein Wechsel in einen anderen Betrieb oder Beruf. Die Quote der echten Abbrecher liegt bundesweit bei rund 13 Prozent. Aber selbst das bedeutet, mehr als jeder zehnte Ausbildungsvertrag endet vorzeitig und ohne Abschluss.

Ich will hier niemandem vorwerfen, zu ungeduldig oder zu verwöhnt zu sein. Wer mit 17 oder 18 Jahren jeden Tag Bilder von scheinbar mühelosem Erfolg sieht, während er selbst in der Grube liegt und Bremsscheiben tauscht, hat ein ernstzunehmendes Problem. Nicht mit sich selbst. Mit der Vergleichsgrundlage.

Die Wahrheit, die im Feed nicht vorkommt

Hier kommt der Teil, der mich am meisten umtreibt. Ausgerechnet der Weg, der jungen Leuten gerade zu lang und zu wenig einträglich erscheint, ist einer der zukunftssichersten, die es aktuell gibt. Und zwar wegen genau der Technologie, vor der viele Angst haben, künstliche Intelligenz.

KI kann Diagnosedaten auswerten, Fehlercodes vorschlagen, Texte schreiben, sogar Prognosen treffen. Was sie nicht kann, unter einem Fahrzeug liegen, das seit zwölf Jahren im Alltag benutzt wurde, einen Fehler riechen, hören, fühlen, der in keinem Handbuch steht, und dann mit den Händen die Reparatur tatsächlich ausführen. Ein Fahrzeug ist kein sauberer Datensatz. Es ist ein physisches, unvorhersehbares, mechanisches System, das in der echten Welt altert, rostet, oft improvisiert vorrepariert wurde und sich nicht an die Theorie hält.

Genau diese Unordnung ist der Grund, warum menschliche Diagnosekompetenz am Fahrzeug so schwer zu ersetzen ist. Wer diesen Beruf gelernt hat, wirklich gelernt, nicht nur die Prüfung bestanden, sitzt in zehn Jahren nicht auf einer aussterbenden Fähigkeit. Er sitzt auf einer, die knapper wird, während gleichzeitig mehr Fahrzeuge mehr Elektronik enthalten, die diagnostiziert werden muss.

Das ist die bittere Ironie an der ganzen Sache. Der Vergleichsdruck treibt junge Leute genau in dem Moment aus der Ausbildung, in dem diese Ausbildung beginnt, wertvoller zu werden, nicht weniger.

Was das für den jungen Menschen bedeutet

Wenn du selbst gerade in der Ausbildung steckst und das Gefühl hast, dass du zurückfällst, während andere online abheben, miss dich nicht an einem Screenshot. Miss dich an dem, was du in drei Jahren tatsächlich kannst, und was dir niemand mehr wegnehmen kann. Ein Zertifikat kann verschwinden. Ein Trend kann kippen. Ein gelerntes Handwerk bleibt in deinen Händen, so lange du willst.

Das ist keine Beschwichtigung. Das ist eine nüchterne Feststellung über zwei sehr unterschiedliche Arten von Vermögen. Das eine ist sichtbar und flüchtig. Das andere ist unsichtbar und bleibt.

Was das für den Ausbilder bedeutet

Und für die Betriebsinhaber unter den Lesern, der Vergleichsdruck verschwindet nicht, weil man ihn ignoriert. Er wird nur unausgesprochen, und unausgesprochen ist er gefährlicher, weil er sich in der Kündigung entlädt, statt im Gespräch. Wer seinen Azubis früh und offen erklärt, warum diese Ausbildung sich lohnt, nicht mit Motivationssprüchen, sondern mit der ehrlichen Einordnung, was am Ende dabei herauskommt, nimmt dem Vergleich einen Teil seiner Kraft. Das ersetzt keine faire Bezahlung und keine gute Ausbildungsqualität. Aber es macht den Unterschied, ob ein junger Mensch in einem schwachen Moment bleibt oder geht.

Mein Bekannter hat seinen Azubi gehalten. Nicht mit einem größeren Gehalt, das hätte er sich in dem Moment auch gar nicht leisten können. Sondern mit einem Gespräch, in dem er ihm ehrlich gesagt hat, was er in drei Jahren können wird, und was das wert ist.

Was bleibt

Die Ausbildung ist nicht zu lang. Sie ist genauso lang, wie es braucht, um etwas zu können, das nicht jeder kann, und das eine Maschine so schnell nicht übernimmt. Der Vergleich mit dem Feed ist nicht real. Die Werkbank ist real.

Wer das durchhält, steht am Ende nicht mit leeren Händen da. Er steht mit Händen da, die etwas können, das gefragt bleibt, während vieles andere sich in Luft auflöst.