Ich habe einen Mitarbeiter gehabt, der gut verdient hat. Wirklich gut. Stattliches Gehalt, pünktlich, keine Diskussion. Und trotzdem war er jeden Montag der Erste der mich mit schlechter Laune begrüßt hat. Kein Biss, keine Eigeninitiative, kein echtes Interesse an der Arbeit.
Irgendwann kam dann die vertraute Klage: die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Die Kommunikation. Die Abläufe. Die Stimmung im Betrieb.
Ich habe eine Weile gebraucht um zu erkennen: Das war keine ehrliche Analyse. Das war eine Ausrede.
Die unbequeme Wahrheit über Low-Performer
Es gibt Menschen die denken, sie können viel — und am Ende nicht liefern. Nicht weil der Betrieb sie im Stich lässt, sondern weil sie schlicht nicht bereit sind abzuliefern. Und wenn die Rechnung dann nicht aufgeht, landet die Schuld gerne bei den Rahmenbedingungen. Beim Chef. Beim Betrieb. Beim System.
Das ist nicht fair. Und kein Inhaber eines kleinen Handwerksbetriebs muss sich das bieten lassen.
Geld motiviert diese Menschen übrigens auch nicht. Nicht weil Geld generell kein Thema wäre — sondern weil Motivation bei ihnen einfach nicht vorhanden ist. Die kann man nicht kaufen. Die kann man nicht einbauen. Die ist da oder sie ist nicht da.
Bringschuld gilt in beide Richtungen
Natürlich hat ein Inhaber Verantwortung für seinen Betrieb. Klare Abläufe, faire Bezahlung, ein Umfeld in dem man arbeiten kann — das ist selbstverständlich. Das bestreitet niemand.
Aber ein Mitarbeiter hat genauso eine Bringschuld. Er bewirbt sich. Er nimmt das Angebot an. Er kassiert das Gehalt. Und dann ist er auch in der Pflicht — zu liefern, sich einzubringen, Probleme anzusprechen statt sie als Entschuldigung zu parken.
Diese Gleichung wird in der öffentlichen Diskussion über Führung und Mitarbeiterbindung gerne vergessen. Es ist immer der Chef der sich ändern soll. Der Betrieb der attraktiver werden muss. Als ob ein erwachsener Mensch keine eigene Verantwortung für seine Leistung und seine Einstellung trüge.
Was das für dich als Inhaber bedeutet
Bevor du das nächste Mal über eine Gehaltserhöhung nachdenkst um jemanden bei der Stange zu halten: Stell dir die ehrliche Frage ob dieser Mensch überhaupt liefern will.
Nicht ob er kann. Ob er will.
Wenn die Antwort nein ist — oder wenn du dir nicht sicher bist — dann ist das Gehaltsgespräch die falsche Baustelle. Dann ist die Frage eine andere: Wie lange leistest du dir noch jemanden der deine Ressourcen verbraucht, die Stimmung im Betrieb drückt und am Ende trotzdem die Schuld woanders sucht?
Kleine Betriebe können sich das nicht leisten. Weder finanziell noch menschlich.
Mein Fazit
Motivation ist nicht käuflich. Das stimmt. Aber der Satz hat zwei Seiten.
Die eine: Kein Gehalt rettet einen Betrieb mit kaputten Grundlagen.
Die andere — und die wird zu selten laut ausgesprochen: Kein Betrieb der Welt kann einen Menschen motivieren der es nicht will. Das ist seine Aufgabe. Nicht deine.
Wer das verwechselt, zahlt drauf. Und zwar teuer.
Erfahrungen dazu? Schreib mir direkt: mail@zeos83.com