
Gerade läuft mir zum dritten Mal in diesem Monat eine Agentur über den Weg, die verspricht, meinen Betrieb mit KI zu transformieren. Professionelle Website, überzeugende Referenzen, Preise irgendwo zwischen “ambitioniert” und “dreist”. Auf den ersten Blick: beeindruckend. Auf den zweiten Blick fängt mein Bauch an zu reden.
Ich bin 43, seit 15 Jahren selbstständig. Ich habe gelernt, auf dieses Gefühl zu hören.
Das Muster, das mir immer wieder begegnet
KI ist gerade das Thema, bei dem jeder ein Stück vom Kuchen haben will. Das ist normal. Das war mit SEO so, mit Social Media so, mit jeder Welle davor. Auf jede echte Gelegenheit kommen genug Anbieter, bei denen man genauer hinschauen sollte.
Das bedeutet nicht, dass alle Coachingangebote unseriös sind. Das kann ich nicht behaupten, weil ich nicht alle kenne. Aber ich sage: Es lohnt sich immer, kurz nachzuschauen. Immer.
Das Gute: Es kostet weder viel Zeit noch Geld.
Schritt 1: Unternehmensregister
Das deutsche Unternehmensregister findest du unter unternehmensregister.de. Es ist Teil des Bundesanzeigerverlags. Alle in Deutschland registrierten Unternehmen sind dort per gesetzlicher Pflicht gelistet, mit Pflichtdokumenten, die sie veröffentlichen müssen.
Du gibst den Firmennamen ein und bekommst Einsicht in Gesellschaftsverträge, Gesellschafterbeteiligungen und Unternehmensstruktur. Kostenlos.
Was ich dort sehe, sagt mir mehr als jede Verkaufsseite. Wie alt ist das Unternehmen wirklich? Wer steckt dahinter? Gibt es verschachtelte Beteiligungen, die auf dem ersten Blick nicht sichtbar waren?
Manchmal bestätigt das mein Bauchgefühl sofort. Manchmal ist alles sauber. Aber ich weiß es dann, statt zu raten.
Was ein klares Warnsignal ist
Ich schaue mir an, wer hinter dem Unternehmen steht. Konkret: Wer sind die Gesellschafter?
Wenn ich im Register nachschlage und keine natürlichen Personen als Gesellschafter finde, sondern weitere Unternehmen mit Sitz im Ausland, zum Beispiel auf Zypern, dann hört mein Interesse auf. Gewinne fließen dann steueroptimiert ins Ausland, während das Unternehmen nach außen vollständig deutsch wirkt. Dazu wird als Geschäftsführer oft jemand eingesetzt, der selbst keine Unternehmensanteile hält. Die Verantwortung liegt also bei jemandem, der im Ernstfall nichts zu verlieren hat.
Das ist kein Beweis für Betrug. Aber es ist ein Muster, das mich zuverlässig zum nächsten Anbieter weiterblättern lässt.
Wie Seriosität aussieht
Seriöse Unternehmen haben eine klare Gesellschafterstruktur, die auf Anhieb nachvollziehbar ist. Die Gesellschafter sitzen in Deutschland, sind mit Namen und Adresse greifbar, und die Dokumente lesen sich, als hätte ein normaler Mensch sie für normale Menschen geschrieben.
Keine Schachtelbeteiligungen über drei Länder. Keine Formulierungsdickichte, die einem das Weiterlesen verleiden. Wenn ich in zwei Minuten verstehe, wer das Unternehmen führt und wem es gehört, ist das schon ein gutes Zeichen.
Schritt 2: Die Dokumente mit KI besprechen
Was ich finde, lade ich in meine KI. Konkret: Ich lade den Gesellschaftsvertrag hoch, beschreibe ihr den Kontext (“Das ist eine Coaching-Agentur, die mir folgendes anbietet…”) und frage sie gezielt: Was fällt dir an der Gesellschafterstruktur auf? Was könnte ich übersehen?
Die KI gibt mir keine Empfehlung und sagt mir nicht, ob ich unterschreiben soll oder nicht. Aber sie macht Muster sichtbar, die ich alleine vielleicht überlesen hätte. Formulierungen, die im Gesellschaftsvertrag harmlos klingen, bekommen plötzlich einen anderen Kontext.
Ich rede hier nicht von Illegalität. Vieles bewegt sich im legalen Bereich, aber eben im Graubereich. Und das reicht mir oft schon, um zu wissen: Hier unterschreibe ich nichts.
Was das bringt
Diese beiden Schritte kosten mich zusammen weniger als eine halbe Stunde. Sie haben mich schon mehrfach davor bewahrt, Geld und Nerven zu verlieren.
Der Punkt ist nicht, misstrauisch durch die Welt zu gehen. Der Punkt ist, informiert zu entscheiden. Jeder, der ein ernsthaftes Angebot macht, hält einer kurzen Recherche stand. Und wer das nicht tut, hat mir damit schon gesagt, was ich wissen muss.
Ich schreibe das, weil ich selbst als Unternehmer solche Angebote sondiert habe. 15 Jahre Selbstständigkeit, mehrere Gründungen, Angebote in alle Richtungen. Ich kenne das Gefühl, wenn etwas nicht stimmt, und ich kenne die Versuchung, es trotzdem zu ignorieren, weil die Verkaufsseite so überzeugend war.
Probier es beim nächsten Angebot einfach aus, bevor du den Vertrag unterschreibst. Unternehmensregister aufrufen, Firmennamen eingeben, Dokumente runterladen, KI drüber schauen lassen. Fünf Minuten. Kein Abo, keine Beratung, kein Tool.
Nur ein bisschen Recherchearbeit. Und ein Bauchgefühl, dem du vertraust.
Markus Mangold — Kfz-Meister, Gründer von Torq.Li, Inhaber Zeos83