Irgendwann letzte Woche hat mir jemand aus meinem Team eine Frage gestellt. Keine große Sache. Aber ich merkte dabei, dass wir seit Wochen nicht mehr über einen bestimmten Prozess geredet hatten. Einen Prozess, den wir früher gefühlt täglich manuell angepackt haben.
Er lief einfach. Niemand sprach darüber. Niemand musste es.
Genau in diesem Moment wusste ich: das hier funktioniert.
Warum wir Automatisierung falsch bewerten
Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung davon, wie Digitalisierung und Automatisierung sich anfühlen sollen. Dashboards, die blinken. Berichte, die automatisch rausgehen. Workflows, die sichtbar laufen und beeindrucken.
Das Problem dabei: wer sein automatisiertes System ständig zeigen und erklären muss, hat meistens noch kein wirklich gutes System. Er hat ein System, das Aufmerksamkeit braucht.
Ein gutes System braucht keine Aufmerksamkeit. Es erledigt seinen Job, während du dich um andere Dinge kümmerst.
Das Langweile-Prinzip
Ich nenne es für mich das Langweile-Prinzip. Eine Automatisierung ist dann fertig, wenn sie aufgehört hat, interessant zu sein.
Solange du noch daran feilst, drüber redest, sie erklärst oder dir Gedanken machst ob sie gerade läuft, ist sie noch nicht fertig. Sie ist noch ein Projekt. Erst wenn sie aus deinem Kopf verschwunden ist und trotzdem funktioniert, ist sie tatsächlich ein Teil deines Betriebs.
Das klingt simpel. In der Praxis ist es das, was die meisten Digitalisierungsprojekte nicht erreichen.
Woran es meistens scheitert
Ich sehe in vielen Betrieben dasselbe Muster. Ein Tool wird eingeführt, ein Workflow aufgebaut, eine Automatisierung konfiguriert. Dann braucht es ständige Pflege, weil sich etwas ändert. Oder es funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Oder es ist so komplex gebaut, dass nach drei Monaten niemand mehr weiß wie es eigentlich funktioniert.
Das ist kein Digitalisierungsproblem. Das ist ein Komplexitätsproblem.
Gute Automatisierung fängt nicht mit der Frage an “Was kann ich automatisieren?” Sie fängt mit der Frage an: “Was soll nach einem Jahr noch reibungslos laufen, ohne dass sich jemand darum kümmern muss?”
Das ist ein anderer Ausgangspunkt. Und er führt zu anderen Entscheidungen.
Konkret: was das bedeutet
Für einen Kfz-Betrieb kann das bedeuten: Terminerinnerungen, die automatisch rausgehen, ohne dass jemand daran denken muss. Auftragsbestätigungen, die sofort beim Kunden sind. Interne Meldungen, wenn ein Fahrzeug fertig ist.
Keine großen Systeme. Keine Beratungsprojekte. Kleine, robuste Prozesse, die einen Job erledigen und ihn immer wieder erledigen.
Wenn du nach einem Monat nicht mehr weißt ob die Automatisierung gerade läuft, weil es keine Probleme gibt, läuft sie gut.
Wenn du jeden Monat draufschauen musst, läuft sie nicht gut genug.
Das nimmst du mit
Digitalisierung ist kein Ergebnis das du einmal erreichst und dann vorzeigst. Sie ist ein Zustand, den du dir erarbeitest, bis er keine Rolle mehr spielt.
Das Ziel ist nicht die beeindruckende Lösung. Das Ziel ist der Prozess, über den niemand mehr redet, weil er einfach funktioniert.
Wenn es langweilig wird, hast du es richtig gemacht.
Wer sich damit auseinandersetzen will, wie das konkret aussehen kann, kann mir gerne schreiben.