Die Frage, die mich gerade beschäftigt, klingt nach Science Fiction, ist es aber nicht mehr.

Humanoide Roboter in der Werkstatt.

Nicht als Zukunftsvision für 2050. Sondern als ernsthafte Überlegung für die nächsten fünf bis zehn Jahre, für Betriebe wie meinen.

Das Problem kennt jeder, der eine Werkstatt führt

Es gibt Tätigkeiten, die brauchen keine Ausbildung. Fahrzeuge annehmen, Rundgänge machen, Checklisten abarbeiten, Kleinteile holen, den Hof kehren. Einfache, wiederholbare Aufgaben.

Das Problem: Auch dafür musst du heute Mindestlohn bezahlen. Und das ist kein Problem des Mindestlohns an sich, sondern ein Rechenproblem. Diese Tätigkeiten erzeugen in vielen Betrieben schlicht keine Wertschöpfung mehr, die den Lohn trägt. Du zahlst, du schuldest Sozialabgaben, du trägst das Ausfallrisiko.

Und dann kommt das, worüber wenige offen reden: Du bezahlst denselben Lohn für jemanden, der motiviert ist und mitdenkt, wie für jemanden, der das schlicht nicht tut. Ob sich ein Mitarbeiter ohne Ausbildung auf eine Tätigkeit einlässt, ob er sie gewissenhaft ausführt, ob er sich überhaupt anlernen lässt, das steht und fällt mit seiner persönlichen Haltung. Du kannst das nicht erzwingen. Du kannst nur hoffen.

Drei Monate später ist er oft wieder weg, und du fängst von vorne an.

Was, wenn das jemand anderes übernimmt?

Stell dir folgende Situation vor. Ein Kunde kommt rein. Du nimmst dir Zeit, du redest mit ihm. Du willst wissen, was er braucht, was er erwartet, wie sein Alltag mit dem Auto aussieht.

Während ihr sprecht, macht dein humanoider Mitarbeiter einen ersten Rundgang ums Fahrzeug. Er fotografiert Lackkratzer, prüft Reifenprofil, notiert Mängel. Er bereitet einen Auftrag vor, schlägt Positionen vor, und wenn ihr fertig seid, liegt die Grundlage auf dem Tisch.

Kein Multitasking deinerseits. Kein gehetztes “Moment mal eben”. Und wenn währenddessen das Telefon klingelt? Dein Telefonagent geht ran, nimmt die Anfrage auf und verweist freundlich auf einen Rückruf später. Kein Kundengespräch, das unterbrochen wird. Keine Abkürzungen, weil du eigentlich woanders gebraucht wirst.

Der entscheidende Unterschied: Kalkulierbarkeit

Ein humanoider Roboter hat keine wechselnde Motivation. Er hat keinen schlechten Tag. Er lässt sich nicht ungern auf neue Aufgaben anlernen.

Du trainierst ihn gezielt. Auf den Fahrzeug-Rundgang. Auf das Reifenwechsel-Protokoll. Auf das Auffüllen von Verbrauchsmaterialien. Auf das Kehren des Hofs, wenn es sein muss. Klingt banal, ist aber der Punkt: Auch stupide, wiederkehrende Aufgaben müssen zuverlässig erledigt werden. Heute hoffst du darauf. Morgen kannst du es einprogrammieren.

Und was das kostet? Das ist kalkulierbar. Keine Sozialabgaben, kein Ausfallrisiko, keine Gehaltsrunde alle zwölf Monate. Du weißt, was du bezahlst, und du weißt, was du dafür bekommst.

Das ist kein Luxus. Das ist Betriebswirtschaft.

Warum jetzt darüber nachdenken?

Nicht um morgen einen Roboter zu kaufen. Sondern weil die Betriebe, die in zehn Jahren gut aufgestellt sind, heute anfangen, solche Fragen zu stellen.

Wer seine Abläufe kennt, weiß auch, welche davon strukturierbar und wiederholbar sind. Das ist die Voraussetzung für jede Form von Automatisierung, egal ob Software oder physische Systeme. Wer das nicht getan hat, wird weiterhin jeden Monat aufs Neue jemanden suchen, anlernen und verlieren.

Die Kfz-Branche hat KI lange für irrelevant gehalten. Diese Einschätzung hat uns nicht besonders gut bedient.

Was ich nicht sage

Ich sage nicht, dass Roboter Menschen ersetzen sollen. Qualifizierte Arbeit, echtes Handwerk, Kundenkontakt auf Augenhöhe, das bleibt menschlich. Und das soll es auch bleiben.

Ich sage: Für die Tätigkeiten, bei denen wir heute kämpfen vernünftige Leute zu finden und zu halten, lohnt es sich, jetzt ernsthaft weiterzudenken.

Wenn du Lust hast, das weiterzudenken, schreib mir. Ich bin gespannt, wie andere das sehen.


Markus Mangold — Gründer von Torq.Li, Inhaber Zeos83 SocialSolutions