Ich folge Martin Jäger alias “Ehrlicher Unternehmer Content” schon länger auf TikTok. Er war neulich live, ich war als Zuschauer im Chat dabei, und weil ich mich zum Thema KI und Telefonservice bereits öffentlich geäußert habe, ist er über den Chat auf meine Webseite gestoßen. Kein direkter Austausch, aber Anlass genug, um das Meistertelefon auch mal selbst auszuprobieren bzw. einmal hineinzuhören.
Das Konzept ist schnell erklärt. Man geht auf meistertelefon.de, gibt seine Telefonnummer an, und wird probeweise von einer KI angerufen.
Ich habe das gemacht. Und mein Handy klingelte fast unmittelbar nach der Eingabe.
Was mich als erstes überrascht hat, war die Stimme. Eine junge Frau mit einem bayerischen Akzent. Das klingt nach nichts Besonderem, aber ich finde, genau das macht den Unterschied. Ich hätte es, wenn ich es nicht besser gewusst hätte, zunächst nicht als KI erkannt. Kein roboterhafter Klang, keine merkwürdigen Pausen, kein aufgesetztes Freundlichkeits-Dauerfeuer. Einfach eine Stimme, die sympathisch wirkt.
Was das Tool leisten kann
Das Meistertelefon ist ein KI-gestützter Telefondienst für Handwerker und Gewerbetreibende. Die KI nimmt Anrufe entgegen, qualifiziert den Anrufer, gibt Informationen weiter, und leitet weiter wenn nötig.
Was mich beim Gespräch aber wirklich beeindruckt hat, war die Aussage der KI selbst über ihre eigenen Möglichkeiten. Man kann das System im Vorfeld mit nahezu unbegrenzt vielen Informationen füttern. Öffnungszeiten, Leistungsangebot, Preise, typische Kundenfragen, spezifische Abläufe im Betrieb. Je mehr man reingibt, desto besser und substanzieller die Antworten am Telefon. Es gibt dabei offensichtlich kaum eine Obergrenze, und das ist der entscheidende Punkt. Ein System das nur “Termin vereinbaren” kann, ist eine Spielerei. Ein System das einem Interessenten auf Anhieb erklären kann, welche Fahrzeuge du bedienst, was eine Inspektion bei dir kostet, oder ob du auch Oldtimer annimmst, das ist ein anderes Kaliber.
Für viele Gewerke ist das tatsächlich sehr interessant. Denk an einen Elektriker, einen Installateur, einen Schreiner. Betriebe die viel unterwegs sind, auf Baustellen, oft nicht erreichbar. Jeder verpasste Anruf ist möglicherweise ein verpasster Auftrag. Eine KI die das auffängt, sachlich, sympathisch und inhaltlich gut vorbereitet, das ist kein schlechter Ansatz, sondern ein echter Benefit.
Aber ich möchte ehrlich bleiben
Vor ein paar Tagen habe ich etwas gepostet, das ich nicht zurücknehmen will. KI am Telefon ist nicht für jeden Betrieb das Richtige.
Gerade bei hochspezialisierten Kfz-Betrieben, einer Oldtimerwerkstatt, einem Betrieb mit einer sehr spezifischen Kundschaft, da ist der erste Anruf oft mehr als ein Termin vereinbaren. Da fängt die Beziehung an. Da wird eingeschätzt, ob man miteinander kann. Da passiert etwas, das sich schwer delegieren lässt, egal wie gut die Stimme klingt.
Das ist kein Widerspruch zum Meistertelefon. Es ist eine Nuancierung. Das Tool kann stark sein, für die richtigen Betriebe, in den richtigen Situationen.
Was ich mitnehme
Der Erstkontakt war überraschend positiv. Wer wissen möchte wie sich das anfühlt, sollte das einfach selbst ausprobieren. Eine Telefonnummer eingeben kostet nichts, und der Test gibt einem schnell ein Gefühl dafür was möglich ist.
Ob es zum eigenen Betrieb passt, das muss jeder selbst entscheiden. Aber es lohnt sich, reinzuhören.
Markus Mangold, Kfz-Meister, Gründer von Torq.Li, Inhaber Zeos83 SocialSolutions